Nachrufe auf Thomas Rosenlöcher und Michael Degen

Thomas Rosenlöcher, der am 13. April 2022 mit 74 Jahren verstorben ist.

Foto @ HL Böhme

Thomas Rosenlöcher ist gestorben, der erste von insgesamt zwei literarischen Preisträgern des Vellmarer Kunstpreises, den in den 1990er Jahren der ehemalige Bürgermeister Kurt Stückrath mit der Stadt Vellmar ins Leben gerufen hatte. Der Preis war mit 10000 DM dotiert. Die Jury bestand aus Karl-Heinz Grüning und Renate Blobner als Vorsitzende des Literaturvereins, Ingeborg Rode von der Bücherei, Katharina Engelhardt vom büchereck, Claudia Sandner von Dehn (HNA) und Prof. Dr. Georg Michael Schulz von der Universität Kassel. Nach langen Diskussionen wurde der Dresdner Autor als Preisträger erkoren. Er bekam ihn für eine Lesung 1992 in Vellmar mit seinem wunderbaren Essayband „Die Wiederentdeckung des Gehens beim Wandern. Harzreise“. Als Würdigungsgrund wurde nicht ausschließlich sein literarisches Werk in den Blick genommen, sondern auch die Resonanz des Publikums und der Nachklang der Lesung, die vielfach in Gesprächen zum Ausdruck kam. Denn Thomas Rosenlöcher war zu diesem Zeitpunkt fast unbekannt im literarischen Westen Deutschlands und eine echte Entdeckung. In der literarischen Szene galt er eher als Außenseiter. Er war ein schmunzelnder Beobachter der Gegenwart und schrieb schon zu DDR-Zeiten unvergängliche Lyrik, Essays und auch Gedichte für Kinder in beschwingten Versen. Insgesamt war er, einschließlich der Preisverleihung, viermal in Vellmar, zuletzt 2015 anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Ecke und Kreis.

Michael Degen, der am 12. April 2022 mit 90 Jahren verstorben ist.

Foto: IMAGO / Sven Simon

Traurig sind wir auch über die Nachricht, dass Michael Degen am 12. April gestorben ist, der vor 10 Jahren mit seiner Biografie über Michael Mann „Familienbande“ ebenfalls in Vellmar zu Gast war. Auch an ihn erinnern sich viele Besucher, weil es eine Veranstaltung war, in der ein Schauspielerstar seinen Auftritt hatte, dessen Stimme uns vielfach via Bildschirm als Vice-Questore Patta bekannt war. In der Literatur wurde er berühmt mit dem erschütternden autobiographischen Buch über seine Flucht als jüdisches Kind in Berlin „Nicht alle waren Mörder.“